Mein auftritt bei 'Fool us'
in las vegas

Las Vegas. Diese überdrehte, durchgeknallte, kunterbunte Glamour-Glimmer-Glitzer-Stadt. Und vor allem: Das Mekka des Showbusiness. Als Jugendlicher habe ich die beeindruckende Show von Siegfried & Roy gesehen. Sieben Male hintereinander. So oft, dass es den beiden Showstars auffiel und sie mich in ihr großes Privathaus einluden. Besonders Siegfried nahm sich viel Zeit und beeindruckte mich als Mensch: Er war so nahbar und ganz ohne Allüren. „You know“, sagte er mir beim Abschied, „es genügt nicht nur gut zu sein. Du musst auch anders sein.“

Und jetzt wieder: Las Vegas. Dieses Mal bin ich nicht nur Zuschauer. Dank der Empfehlung meines sympathischen Kollegen Simon Pierros habe ich meinen ersten Auftritt in der Showmetropole. Ein Auftritt in Las Vegas ist schon aufregend genug und kommt einem Ritterschlag gleich. Zudem bin ich aber noch Teil der TV-Produktion „Fool Us“. Hierzulande durfte ich schon in den unterschiedlichsten Sendungen auftreten, unter anderem in „Verstehen Sie Spaß?“ oder im „Supertalent“. Allerdings: In der Sendung „Fool Us“ treten seit Jahren die besten Illusionisten der Welt auf. Die berühmten Magier Penn & Teller versuchen dabei, vor laufender Kamera die Tricks der Kollegen zu entlarven. In kryptischen Worten teilen sie ihre Vermutungen mit.

Beide haben einen sehr klaren, eindeutigen Maßstab in ihrer Bewertung: Wurden wir `gefoolt´, sprich getäuscht? Hier geht es um die Quintessenz von Zauberkunst: Gelingt es mir sowohl das Publikum als auch die beiden ausgewiesenen Experten zu täuschen? So dass sich das kunstvolle Geflecht aus Methoden und Präsentation quer zur Logik stellt und dem Verstand kein anderer Ausweg bleibt als der: „Wie geht das? Ich habe keine Erklärung. Ich glaube nicht an Wunder. Aber was ich gerade gesehen habe, kommt einem Wunder verdammt nahe.“

Diese Männer zu `foolen´ wird schwer werden. Denn Penn & Teller wissen, wovon sie reden. Sie stehen seit über 40 (!) Jahren als Magier-Duo erfolgreich auf der Bühne. Sie kennen sich in der Geschichte der Zauberkunst aus, wissen um die Methoden und Mode-Erscheinungen der Zauber-Zunft. 

Las Vegas, Rio Hotel, kurz vor dem Auftritt. Viele Künstler und auch Sportler haben ihre Rituale, um auch oder gerade unter großem Druck ihre volle Leistung abzurufen. Auch ich: Bei den Proben, in einem unbeaufsichtigten Moment, schleiche ich mich nochmals auf die Bühne, lege mich auf den Boden und nehme den Raum in mich auf. Hinter der Bühne gähne und stöhne ich. Ziehe Sauerstoff in vollen Zügen durch die Nase. Laufe wie ein Tiger im Käfig hin und her – Siegfried & Roy lassen grüßen. Auf Unbeteiligte mag das alles seltsam wirken. So als wäre ich nicht ganz bei Trost. Tatsächlich sind diese Übungen aber wertvolle Instrumente, um die Stimme zu entspannen und mit jeder Faser im Hier und Jetzt zu sein.

Das Projekt Brain-Magic ist gut vorbereitet – Eric und Ralf Skoda gaben für `Sin-City´ noch letzte Tipps bei den Redewendungen – und trotzdem: Etwas Unvorhergesehenes kann immer passieren. Es wird bei meinem Auftritt keinen Schnitt geben und keine Kameratricks. Dafür stehen Penn & Teller ein. Sollte die Aufzeichnung aus irgendeinem Grund unterbrochen werden müssen, ist das Spiel aus. Es gibt nur diese eine Chance. Jede kleine Unaufmerksamkeit könnte den beiden Experten einen versteckten Hinweis auf die Lösung geben.

Die Sendung hat eine weltweite Fangemeinde. Sollte ich einen Fehler machen, werden nicht nur Millionen Menschen zur Primetime in den USA den Patzer sehen. Nach der TV-Ausstrahlung würde er noch einmal millionenfach auf YouTube und den sozialen Medien potenziert, kommentiert und weitergeleitet werden. Konserviert für die Ewigkeit. Jeder Anflug von Unsicherheit, jeglicher Selbstzweifel kann die Arbeit von Jahren zerstören! Und bitte, Kamera läuft!

Ich bin hochkonzentriert. Extrem fokussiert, wie in einem Tunnel. Meine Mitspielerin ist die beliebte Schauspielerin Alyson Hannigan. In Serien und Filmen wie „Buffy – im Bann der Dämonen“, „How I Met Your Mother“ und „American-Pie“ spielte sie sich in die Herzen der Zuschauer. Obwohl sie unmittelbar bei meiner Fühlbox beteiligt ist, hat sie keinerlei Erklärung, warum ihr die Sinne gerade einen Streich spielen. Dafür spielt sie großartig mit, auf eine herrlich komödiantische Art. In ihrem Gesicht spiegeln sich alle Gefühle wider: Erstaunen, Ekel, Überraschung, Freude. 

Ich lebe den Moment. Diese wenigen Minuten sind so intensiv, als hätte sich das Leben verdichtet. Am Ende sind Penn & Teller voll des Lobes. Das Lob gipfelt in dem Satz: „This is the greatest act we have ever seen.“ Den besten Auftritt, den wir je gesehen haben. Wow! Ich glaube meinen Ohren kaum zu trauen. Denn die beiden haben sehr, sehr viele herausragende Kollegen aus der ganzen Welt gesehen. Das übertrifft meine kühnsten Erwartungen. 

Erfolg hat bekanntlich viele Väter, hier waren es drei an der Zahl, allesamt Magier: Boretti entwickelte die Grundidee zur Fühlbox. Hakan Varol und ich feilten unzählige Stunden an dieser wunderbaren Idee, die Sinnes-Wahrnehmung eines Menschen so magisch wie möglich zu verändern.

Die Fool-Us-Trophäe gilt als eine Art Oscar unserer Branche. Am Morgen nach dem Auftritt kam es mir beim Blick in den Spiegel so vor, als wäre ich um drei Zentimeter gewachsen. Da habe ich mich wohl – weil es so schön war – zur Abwechslung einmal selbst `gefoolt´.